Leonische Industrie in Bayern Fabrikmuseum Roth
Leonische Industrie in Bayern Fabrikmuseum Roth
Die Leonische Industrie in Roth

Ein bedeutendes Zentrum für die Herstellung und Weiterverarbeitung leonischer Waren war im ausgehenden Mittelalter die Gegend um das französische Lyon. Von dort und von Italien aus gelangte die Kunst der Herstellung leonischer Waren auch nach Deutschland.

Der Hugenotte Anthoni Fournier, ein Glaubensflüchtling, dessen Familie aus Lyon stammte, gründete 1569 in Nürnberg eine Werkstatt zur Herstellung leonischer Waren. Er gilt als der eigentliche Begründer der leonischen Industrie im mittelfränkischen Raum. Um diese Zeit bürgerte sich auch die Bezeichnung der „lyonischen“ oder „lionischen“, später dann der „leonischen“ Waren ein.

Söhne von Anthoni Fournier errichteten 1621 auch eine Werkstatt in Roth. Sie fanden dort ein bereits etabliertes Drahtziehergewerbe vor, dem schon seit dem Mittelalter die Wasserkraft der Rednitz und der Roth für ihr Handwerk diente. Es stand den neuen Techniken und Produkten aufgeschlossen gegenüber und so entstand im Zuge des allgemein heftigen industriellen Aufschwungs eine blühende leonische Industrie in und um Roth, die besonders im 19. Jahrhundert die Entwicklung der Stadt ganz entscheidend prägte.

Die Mechanisierung durch die künstliche Kraft der Dampfmaschine verlagerte das Handwerk endgültig von der hausnahen Werkstatt in die Fabrik, wo neu entwickelte, zuverlässigere Maschinen ungeahnte Leistungen erbrachten. 1805 stellte Jacquard den ersten programmierbaren Webstuhl vor, gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Mehrfachdrahtzug entwickelt, bei dem gebohrte Diamanten zum Einsatz kamen. Den Absatz der in großen Mengen hergestellten Produkte ermöglichte das neue Verkehrsmittel Eisenbahn.

Firmenkonzentration und Ausbau der Stadt Roth durch öffentliche Einrichtungen und größere Fabrikbauten kennzeichneten die Zeit um 1900. Gleichzeitig kündigte sich mit dem Aufkommen der elektrotechnischen Industrie ein neuer Produktschwerpunkt der leonischen Großbetriebe an, der sie gleichsam wieder zum Draht, dem Ausgangsprodukt für leonische Waren, zurückführte – die Herstellung von Stromkabeln. Die schwindende Bedeutung der leonischen Waren wurde durch die Kabelherstellung aufgefangen, die bis heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt Roth geblieben ist.



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